Über die Ostertage fand in Karlsruhe und Baden-Baden eines der am stärksten besetzten Turniere des Jahres, das GRENKE Chess Open 2018 statt. 10 Großmeister, darunter auch der aktuelle und der frühere Schachweltmeister, traten dabei gegeneinander an. Entsprechend oft gehen dabei die Partien mit einem friedlichen Remis aus.
Allerdings gab es in der ersten Runde auch eine sehenswerte Ausnahme in der Begegnung zwischen dem einzigen Deutschen im Feld, GM Matthias Bluebaum und dem Russen GM Nikita Vitiugov. Dabei kam es zu der nachfolgenden Stellung, bei der Weiß zuletzt mit 24. Da4xa7 einen Bauern verspeiste, was ihm wahrlich nicht gut tat (nur Fliegenpilze sind giftiger)

Bluebaum-Vitiugov

GM Bluebaum – GM Vitiugov (am Zug)
GRENKE Chess Classic 2018
31.03.2018

Schwarz fand einen großmeisterlichen Zug, der in wenigen Zügen gewann. Was zog Schwarz?

Lösung: 

Die folgenden Züge sind wirklich eines Großmeisters würdig (wir hätten in Rülzheim Verwendung für ihn):

24. … Sf6-e4+ !!
Der Springer gibt Schach und opfert sich damit. Doch ist es wirklich ein Opfer?

 

A) Weiß lehnt dankend ab – Die tatsächliche Antwort

25. Kf2-g1? Tc3-a3!!
Aus dem Königsangriff ist Dank des weiteren Turmopfers ein verheerender Damenangriff geworden. Alle Felder auf der Diagonalen f2-a7 sind damit verbaut. Weiß gab hier zu Recht auf.
Wenn Weiß den Turm geschlagen hätte, so wäre er innerhalb von 4 Zügen Matt gesetzt worden: 26. Dxa3 Dd4+ 27. Kh1 Dxa1+ usw.

B) Weiß nimmt das Opfer an

25. Lf3xe4 Tc3-c7!!
Kaum zu glauben, dass Schwarz trotz einer Mehrfigur deutlich besser steht.

26. Da7-a8
Die schwarze Dame wird gefesselt, damit sie nicht sofort mittels Df6+ oder Dd4 sofortiges Unheil anrichten kann. Doch Weiß findet eine mehr als angemessene Antwort:

26. … Tc7-c8!
Weiß kann nicht gleichzeitig in Deckung gehen und sowohl Df6+ als auch Dd4 verhindern. Schwarz wird daher den Turm erobern und mit dem Qualitätsvorsprung die Oberhand gewinnen.

Advertisements